ORGANISATIONSBERATUNG

Nachfolgeplanung

Die Problematik der Nachfolge in Familienunternehmen

Organisationsmitgliedschaft kann man aufkündigen, Familienmitgliedschaft dagegen nie. Besonders interessant ist die Vermischung dieser beiden sozialen Systeme in Form von Familienunternehmen. Es entsteht eine eigentümliche Dynamik aus dem familiären Ordnungsprinzip der Liebe und dem unternehmerischen Ordnungsprinzip der Gewinnoptimierung. Solche Familiensysteme haben den permanenten Balanceakt zwischen rein beziehungsorientierter familialer und rein inhalts- und zielorientierter unternehmerischer Kommunikation zu leisten und das über Jahrzehnte. Selbst wenn nur ein Mitglied des Familiensystems - Vater oder Mutter - im eigenen Unternehmen beschäftigt ist, prägt dies die Kommunikation, sei es in Form von Problemreflexion bei Tisch oder aber in Form von Erwartungshaltungen an die Kinder als potenzielle Nachfolgegeneration.

Ein weiteres Problem für die Elterngeneration liegt in der Auswahl des Nachfolgers. Unternehmerische Auswahlkriterien bei den eigenen Kindern können als "ungerechte" Bevorzugung erlebt werden. Selbst wenn andere Kinder mit ihrem ausgezahlten Erbteil zufrieden sind, bleibt die Wahl der Eltern ein für die Familie zu verarbeitendes Ereignis in der Familiengeschichte. Der Einsatz eines fremden Managers macht Sinn aus unternehmerischer Sicht, aus familiärer Sicht ist es häufig mit dem bitteren Beigeschmack des Versagens der Nachfolgegeneration verbunden.

Die vermeintliche Verdrängung der Nachfolgeregelung hat für das Familiensystem eine Schutzfunktion, die bestehende Ordnung wird aufrechterhalten so lange es geht. Wer den Focus lediglich auf den unternehmerischen Aspekt legt, dem bleibt diese Sichtweise unverständlich. Hier ist dann die Rede von "Halsstarrigkeit" und "nicht-vom-Materiellen-loslassen-können" der Elterngeneration.

Wie immer die Nachfolge ausfällt, es entsteht Krisenpotential, das sich sowohl in der Familie als auch im Unternehmen auswirken kann. Es geht darum, die Balance zwischen den beiden sozialen Systemen Familie und Organisation (Unternehmen) neu zu definieren und wiederherzustellen.

Die Regelungen finanzieller, erb-, steuer- und gesellschaftsrechtlicher Fragen sind wichtige und zu klärende Seiten. Hier gibt es professionelle Unterstützung von Banken, Verbänden, Kammern, spezialisierten Steuerberatern und Anwälten in Form von Information, Veranstaltungen und Beratung.

Die andere Seite wird in der Regel nicht gesehen. Die über einen langen Zeitraum gewachsene Ordnung des sozialen Systems Familie wird gelebt, aber wenig reflektiert, weil es "normalerweise" nicht erforderlich ist. Bei der Übergabe von Familienunternehmen macht es jedoch Sinn, dies bewusst zu tun - um Vertrauen und Sicherheit beim Prozess der Unternehmensübergabe zu entwickeln. Dies ist auch ein gefühlsmäßiger Entwicklungsprozess für alle Beteiligten.

Ziel einer Beratung bei der Übergabe eines Familienunternehmens ist es, diesen Prozess auf einer persönlichen Ebene zu begleiten und zu gestalten. Voraussetzung dafür sind neben Lebenserfahrung fundierte Kenntnisse der Kommunikationsabläufe und Sozialstruktur von Familien und Organisationen. Entscheidend für das Gelingen einer solchen Beratung ist die Fähigkeit, Chancen für vom Klienten "gewünschte" Vorgehensweisen zu erkennen und zu entwickeln.

Wir glauben, dass diese Art von Beratung vielen Familienunternehmen helfen kann, die Nachfolge zu planen und zu gestalten. Denn es ist keine Frage, ob dieser Prozess der Nachfolgegestaltung stattfindet, sondern ob er von den Beteiligten als solcher erkannt wird und sie den Prozess bewusst gestalten und reflektieren wollen. Die Einführung einer beraterischen Außenperspektive kann dabei helfen, die Integrität beider Sozialsysteme zu wahren und zu stabilisieren und gleichzeitig neue Lösungswege zu erkennen.

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